Ein Ufer kann bewachsen sein und für manche Tiere nachts dennoch schwer passierbar. Die Beleuchtung fügt eine Dimension hinzu, die eine Karte der Grünflächen allein nicht erkennen lässt. In einer am 8. September 2026 vorgestellten Studie erläutert das Cerema, wie das Pays Castelroussin Val de l’Indre in Frankreich nach diesen Schnittstellen zwischen künstlichem Licht und natürlichen Lebensräumen gesucht hat.
Der Wert dieses Beispiels liegt in der Methode: zunächst räumliche Daten auswerten, Gebiete auswählen und anschließend die Anlagen bei Nacht vor Ort in Augenschein nehmen. Ziel ist es, festzustellen, wo Handlungsbedarf besteht, statt alle Straßenlaternen als gleichartige Fälle zu behandeln.
Ein nächtliches Netzwerk, nicht nur dunkle Ecken
Der Dunkelverbund bezeichnet ein Netzwerk aus Biodiversitätsflächen und Korridoren, deren Dunkelheit für das Leben bei Nacht ausreicht. In seinem Leitfaden von 2021 erläutert das Office français de la biodiversité, dass öffentliche wie private Beleuchtung zur Zerschneidung von Lebensräumen und zu unmittelbarer Sterblichkeit beitragen kann. Es geht also ebenso um die Bewegungen zwischen Lebensräumen wie um die Qualität eines einzelnen Ortes.
Der Leitfaden gliedert die Maßnahmen in mehrere Ansatzpunkte: die Eigenschaften der Lichtquellen, ihre räumliche Lage und die Beleuchtungszeiten. Auch eine Begleitung der Maßnahmen ist vorgesehen. Diese Kombination legt nahe, eine Anlage zusammen mit ihrer Umgebung und ihren Betriebszeiten zu betrachten, anstatt lediglich ein Lampenmodell auszuwählen.
Tiere reagieren nicht alle gleich
Der Bericht des Cerema beschreibt Anziehungs- und Meidungseffekte. Für Insekten kann eine Lichtquelle zur Falle werden; für andere Tiere kann eine beleuchtete Zone die Passage erschweren. Die Reaktionen unterscheiden sich zwischen Tiergruppen und Arten.
Der Bericht behandelt auch die täglichen und jahreszeitlichen Rhythmen der Vögel sowie eine mögliche Desorientierung während des Vogelzugs. Auch die Pflanzenwelt ist betroffen: durch die Beziehungen zu nachtaktiven Bestäubern und durch zeitliche Verschiebungen, insbesondere beim Knospenaufbruch. Licht wirkt sich also nicht nur auf das aus, was sich direkt darunter befindet: Es kann auch die Beziehungen zwischen Organismen beeinflussen.
Diese Mechanismen erklären, warum eine Lichtkarte mit Informationen über die Lebensräume abgeglichen werden muss. Zwei ähnlich große beleuchtete Flächen können sich in unterschiedlichen ökologischen Zusammenhängen befinden.
Karten abgleichen und anschließend Besuche auswählen
Für das Pays Castelroussin glich das Cerema ein nächtliches Satellitenbild mit einer Auflösung von 10 Metern mit den Daten zum Verbund aus Grün- und Blauflächen ab. Es ermittelte die 30 flächenmäßig größten Überschneidungsbereiche, um die Auswahl der Besuche gemeinsam mit den Gemeinden zu unterstützen. Die festgestellten Konfliktbereiche konzentrierten sich insbesondere entlang des Indre-Tals.
Aus den nächtlichen Beobachtungen gingen sieben Datenblätter hervor, die 14 Bereiche abdecken. Sie enthalten Fotos, festgestellte Probleme und Handlungsvorschläge. Die Arbeit befasste sich insbesondere mit den Beleuchtungszeiten, der Lichtfarbe, dem unerwünschten Lichteinfall und der direkten Beleuchtung des Wassers.
Einen Konflikt lösen oder einen Verbund entwerfen
Der Methodenbericht unterscheidet zwei Vorgehensweisen. Bei der ersten werden Überschneidungen zwischen Beleuchtung und für die Biodiversität wichtigen Gebieten ermittelt, um anschließend die Maßnahmen priorisieren zu können. Diese Vorgehensweise wurde für die Studie gewählt.
Bei der zweiten geht es darum, einen Dunkelverbund abzugrenzen. Dafür kann man von einem bestehenden Verbund aus Grün- und Blauflächen ausgehen und dessen ausreichend dunkle Bereiche erhalten oder Licht direkt als Kriterium für den Aufbau des ökologischen Netzwerks berücksichtigen. Das Cerema weist darauf hin, dass die Bestandsaufnahme im Pays Castelroussin in diese spätere Arbeit einfließen kann, aber nicht darauf abzielt, selbst den gesamten Dunkelverbund des Gebiets zu zeichnen.
Diese Unterscheidung macht das Ergebnis konkret. Die Datenblätter ermöglichen es, über Anlagen und örtlich begrenzte Maßnahmen zu sprechen; ein ökologisches Netzwerk erfordert einen umfassenderen Blick auf die Vernetzung. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt und wie sie bewertet werden – über die anfängliche Bestandsaufnahme hinaus.
Quellen
- Cerema: Bestandsaufnahme im Pays Castelroussin und Vor-Ort-Besuche, 8. September 2026.
- OFB: Leitfaden Trame noire, Ausgabe 2021.
- Cerema: Auswirkungen von Licht auf die Biodiversität.
- Cerema: Definitionen und Unterscheidung der Vorgehensweisen.
- Foto: Cerema, auf der Seite des Dossiers mit CC-BY gekennzeichnet. Aufnahmedatum nicht angegeben; Bildausschnitt verändert.
Quellen abgerufen am 20. Oktober 2026.






