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Ernährung im Alter: Den Appetit bewahren, ohne Gewichtsverlust zu verharmlosen

Ein Dossier des INRAE erinnert daran, wie wichtig die Freude am Essen im Alter ist. Orientierungshilfen, um einen geringeren Appetit, das Risiko einer Mangelernährung und Situationen, die ärztlich abgeklärt werden sollten, voneinander zu unterscheiden.

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Linsensuppe mit Brot und Zitrone, Illustrationsfoto.
Bildquelle und Lizenz
Fastily — CC BY-SA 4.0 — Wikimedia Commons

Ein weniger gefüllter Teller erzählt nicht die ganze Geschichte. Wenn ältere Menschen weniger essen, kann das an mangelndem Appetit liegen, aber auch an Zahnschmerzen, Müdigkeit oder Schwierigkeiten, eine Mahlzeit zuzubereiten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: „Wie viel hat die Person gegessen?“, sondern auch: „Was hat sich verändert?“.

In einem am 3. November 2026 veröffentlichten Dossier erinnert das INRAE daran, dass man mit zunehmendem Alter nicht automatisch weniger essen muss. Der Bedarf muss weiterhin gedeckt werden – mit besonderem Augenmerk auf Qualität, Mengen und Genuss. Das Institut richtet seinen Ansatz an den Bereichen Ernährung, Sinneswahrnehmung und Geselligkeit aus.

Der Appetit allein reicht nicht aus, um den Bedarf zu beurteilen

Weniger Lust auf Essen sagt für sich genommen nicht aus, was der Körper braucht. Umgekehrt lässt sich aus einem an einem Tag leer gegessenen Teller nicht schließen, dass auf Dauer alles in Ordnung ist. Die Entwicklung der Gewohnheiten, des Gewichts und des Allgemeinzustands hilft, die Situation einzuschätzen.

Die französische Krankenversicherung nennt unter anderem immer kleinere Mahlzeiten und ungewollten Gewichtsverlust als Anzeichen, auf die man achten sollte. Zu weit gewordene Kleidung kann die Veränderung sichtbar machen. Auch Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken, soziale Isolation oder eine kürzlich durchgemachte Krankheit sollten bei einem Arzttermin zur Sprache kommen.

Es geht nicht darum, am Esstisch eine Diagnose zu stellen. Eine anhaltend geringere Nahrungsaufnahme oder ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust sind Anlass, mit einer medizinischen Fachkraft zu sprechen. Dabei soll geklärt werden, was vor sich geht – ohne abzuwarten, bis das äußere Erscheinungsbild dem Bild entspricht, das man sich von Mangelernährung macht.

Konkrete Schwierigkeiten beobachten, ohne Vorwürfe zu machen

Zur Vorbereitung auf den Termin sind einige einfache Beobachtungen hilfreicher als ein pauschales Urteil über einen „kleinen Appetit“. Welche Mahlzeiten sind schwieriger geworden? Lässt die Person bestimmte Lebensmittel liegen, weil sie zu hart sind? Kann sie noch wie früher einkaufen und kochen? Isst sie allein, weil sie das möchte, oder weil es keine andere Möglichkeit gibt?

Ziel ist es, sowohl der Fachkraft als auch der betroffenen Person die Situation verständlich zu machen. Eine Bemerkung wie „Du isst nie genug“ sagt weder, wann die Veränderung begonnen hat, noch, worauf das Hindernis zurückzuführen ist. Eine konkrete Entwicklung festzuhalten, kann ein Gespräch ermöglichen, bei dem weniger Schuldgefühle entstehen.

Der Arzttermin beschränkt sich nicht auf das Wiegen. Laut Ameli untersucht die Ärztin oder der Arzt auch den Mund, die körperlichen Fähigkeiten und den Verlauf des Gewichtsverlusts; ergänzende Untersuchungen können erforderlich sein. Ziel dieser Einschätzung ist es, die Ursachen zu ermitteln und die Unterstützung anzupassen.

Mahlzeiten ermöglichen und angenehm gestalten

Die allgemeinen Empfehlungen von Ameli beziehen die Alltagsorganisation ebenso ein wie den Inhalt des Tellers. Unterstützung beim Einkaufen, eine angenehme Atmosphäre bei den Mahlzeiten sowie vielfältige Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten können hilfreich sein. An die Fähigkeiten der Person angepasste Bewegung trägt ebenfalls dazu bei, die Muskelkraft zu erhalten und den Appetit anzuregen.

Diese Orientierungshilfen sind kein einheitliches Rezept für alle. Bei Kau- oder Schluckproblemen ist eine Anpassung an die jeweilige Situation erforderlich, gemeinsam mit einer Fachkraft. Eine verordnete Diät oder Behandlung sollte nicht allein aufgrund eines allgemeinen Artikels geändert werden.

Bei geringem Appetit kann die Behandlung darauf abzielen, die Energie- und Eiweißzufuhr zu erhöhen, ohne große Portionen vorzuschreiben. Eine Anreicherung der Mahlzeiten und in bestimmten Situationen orale Nahrungsergänzungsmittel gehören zu einer individuell angepassten Betreuung. Es reicht nicht aus, allen älteren Menschen unterschiedslos ein bestimmtes Produkt oder Lebensmittel zu empfehlen.

Was die Forschung verbessern möchte

Das Dossier des INRAE stellt mehrere Ansätze vor, die an diese Fragen des Alltags anknüpfen. In Dijon werden gemeinsam mit älteren Menschen und dem Universitätsklinikum Rezepte entwickelt, die den Bedarf decken und zugleich die Essensvorlieben berücksichtigen sollen. Das europäische Projekt FORTIPHY befasst sich unter anderem mit der Anreicherung von Mahlzeiten, ohne die Portionsgrößen zu erhöhen, und verbindet dies mit angepasster Bewegung.

Bei diesen Projekten handelt es sich um Forschungsansätze. Ihre Vorstellung belegt nicht, dass eine neue Lösung Mangelernährung bereits bei allen Bevölkerungsgruppen verhindert. Sie zeigt vielmehr, warum eine Antwort, die sich ausschließlich an Nährstoffen orientiert, unzureichend sein kann: Eine Mahlzeit muss auch gegessen werden können und Lust darauf machen.

Das Institut verweist außerdem auf kostenlose Ratgeber, darunter „Grand âge & petit appétit“ und „Fortifier mes repas du quotidien“. Sie können Anregungen und Erklärungen liefern und das Gespräch mit dem Pflegepersonal ergänzen.

Aufmerksam sein und die Person respektieren

Einen Angehörigen zu unterstützen bedeutet nicht, jeden Bissen zu überwachen. Es geht darum, eine Veränderung wahrzunehmen, nachzufragen, was Schwierigkeiten bereitet, und gemeinsam nach angemessener Hilfe zu suchen. Vorlieben, Gewohnheiten und Genuss haben in diesem Gespräch weiterhin ihren Platz.

Es gilt zweierlei: Gewichtsverlust nicht mit dem Hinweis verharmlosen, er gehöre zum Alter, aber auch nicht jede Appetitveränderung gleich als Diagnose behandeln. Beobachtungen aus dem Alltag helfen, eine Untersuchung anzustoßen; sie ersetzen sie nicht.

Illustrationsfoto: Linsensuppe mit Brot und Zitrone. Es zeigt weder eine verordnete Mahlzeit noch ein Gericht aus den genannten Forschungsprojekten.

Quellen

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