Eine Trägerrakete zu bergen bedeutet nicht nur, sie zur Erde zurückzubringen: Sie muss auch an einen genau festgelegten Punkt gelangen und dort aufgefangen werden, ohne beschädigt zu werden. SpaceX will versuchen, beide Teile des Starship-Systems am Startturm aufzufangen: den Booster Super Heavy und das Raumschiff. Mit Stand vom 7. November 2026 ist dieser doppelte Fang ein angekündigtes Ziel für einen künftigen Testflug, kein bereits erzieltes Ergebnis; Zeitplan und Flugfreigabe müssen noch bestätigt werden.
Zwei Fahrzeuge, zwei Rückkehrmanöver
Starship ist ein zweistufiges System. Super Heavy, der Booster der ersten Stufe, liefert beim Start den Schub. Das Starship-Raumschiff bildet die Oberstufe: Nach der Trennung setzt es seinen Flug fort, kann den Orbit erreichen und muss anschließend zur Erde zurückkehren. Nach dem Konzept von SpaceX kehren beide Fahrzeuge zum Startturm zurück, wo mechanische Arme – die sogenannten „Essstäbchen“ – sie auffangen sollen.
Futura Sciences erinnert daran, dass der Booster bei früheren Flügen bereits geborgen wurde. Die Rückkehr der Oberstufe umfasst jedoch einen zusätzlichen, eigenen Ablauf. Nach seiner Orbitalphase muss das Raumschiff den Wiedereintritt in die Atmosphäre einleiten, eine Zone mit starker Erhitzung durchqueren und dann seinen Kurs bis zum Startturm korrigieren. Bei jedem Schritt muss sichergestellt werden, dass sich ein noch fliegendes Fahrzeug in der richtigen Position für den Fang befindet.
Deshalb muss man zwischen einer kontrollierten Rückkehr und einer Bergung unterscheiden. Das Raumschiff hat Flüge bereits mit kontrollierten Wasserungen beendet, wie aus den von Futura Sciences wiedergegebenen Informationen hervorgeht. Das bedeutet nicht, dass es bereits zum Turm zurückgekehrt ist, um von dessen Armen aufgefangen zu werden. Eine Wasserung und ein Fang am Startplatz beanspruchen nicht dieselbe Missionsphase und erfordern nicht dieselbe Präzision beim abschließenden Manöver.
Was die „Essstäbchen“ leisten müssen
Die Arme des Turms sind keine einfachen Greifer, die sich auf der Flugbahn eines passiv absinkenden Fluggeräts befinden. Damit ein Fang gelingt, muss das Fahrzeug in einer geeigneten Ausrichtung und an einem passenden Ort ankommen. Dafür müssen die vorherigen Schritte beherrscht werden: der Wiedereintritt, das thermische Verhalten, die Lageregelung und die Steuerung zum Turm.
Dabei geht es auch um den Betrieb. Ein Fangversuch mit Super Heavy reicht nicht aus, um den Fang von Starship zu bestätigen: Das Raumschiff kommt nach einer Orbitalmission und dem Wiedereintritt in die Atmosphäre zurück. Ein erfolgreicher Fang würde zeigen, dass diese Abfolge zu einer Rückkehr an den vorgesehenen Standort führen kann. Das wäre ein wichtiger Schritt bei der Bergung des gesamten Systems, aber noch kein Nachweis dafür, dass sich wiederholte Flüge in einem festen Zyklus durchführen lassen.
Die mit Stand vom 7. November verfügbaren Zeitplanangaben sind mit Vorsicht zu betrachten. Futura Sciences nennt als Ziel den 12. oder 13. November, weist aber zugleich auf andere Zeitpläne hin, in denen der 30. November angegeben ist. Diese Daten sind keine Bestätigung eines bevorstehenden Starts. Die Federal Aviation Administration (FAA), die in den USA Starts und Wiedereintritte reguliert, erklärt, dass SpaceX eine experimentelle Genehmigung und/oder eine Betriebslizenz benötigt, um Starship/Super Heavy zu fliegen. Die herangezogenen Informationen bestätigen nicht, dass die für dieses Flugprofil notwendige Genehmigung erteilt wurde.
Ein Fang bedeutet nicht, dass das Fahrzeug wieder einsatzbereit ist
Selbst wenn die Arme beide Fahrzeuge auffingen, bliebe noch zu klären, was nach dem spektakulären Moment des Fangs geschieht. Insbesondere müsste festgestellt werden, in welchem Zustand die Teile zurückkehren, wie lange ihre Inspektion und etwaige Reparaturen dauern und wann sie erneut starten können. Eine erfolgreiche Bergung liefert für sich genommen keine Antworten darauf.
Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn es darum geht, die Versprechen der Wiederverwendbarkeit zu beurteilen. Ein geborgenes Fahrzeug kann untersucht und gegebenenfalls für einen weiteren Flug vorbereitet werden. Die Startfrequenz hängt jedoch auch von der Zeit und den Abläufen ab, die zwischen zwei Missionen erforderlich sind. Ohne Daten zu Inspektionen, Instandsetzung und späteren Flügen wäre es verfrüht, aus einem Fang auf eine rasche Wiederverwendung oder bezifferte Einsparungen zu schließen.
Die FAA weist außerdem darauf hin, dass bei der Prüfung einer Genehmigung oder Lizenz mehrere Aspekte berücksichtigt werden, darunter die öffentliche Sicherheit, Versicherungsanforderungen und Umweltauswirkungen. Ihre Aufgabe beschränkt sich also nicht darauf, ein technisches Manöver zu bestätigen; die Genehmigung legt fest, welche Operationen das Unternehmen durchführen darf. Die eingesehene Seite der Behörde erläutert diesen allgemeinen Rahmen, belegt aber nicht, dass der geplante Flug grünes Licht erhalten hat.
Der Weg zum Mond führt über weitere Schritte
Die vollständige Bergung ist auch für die Mondprojekte von Bedeutung, macht sie aber nicht unmittelbar möglich. Für die Starship-Version, die als Lander für Artemis dienen soll, beschreibt die NASA eine Architektur, bei der mehrere Fahrzeuge kryogenen Treibstoff – Treibstoffe, die bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert werden – in einen niedrigen Erdorbit bringen müssen. Sie sollen einen Tank versorgen, der anschließend den Mondlander betankt.
Das angekündigte Konzept setzt Operationen im Orbit voraus, die sich von einem Fang am Boden unterscheiden. Ein Fahrzeug, das zu seinem Turm zurückkehren kann, hat damit allein noch nicht bewiesen, dass es Treibstoff im Weltraum umfüllen kann; ebenso wenig hat es damit eine Reise zum Mond absolviert. Die NASA bezeichnet die Zusammenführung von Treibstoff als einen Schritt, der im Rahmen der für ihre Architektur vorgesehenen unbemannten Mission noch demonstriert werden muss. Es handelt sich um einen Plan, nicht um einen bereits durchgeführten Vorgang.
Ein doppelter Fang wäre also ein konkreter Nachweis: die Rückkehr der Oberstufe zu ihrem Startplatz und ihr Auffangen – zusätzlich zur Bergung des Boosters. Für die nächsten Schritte wären weitere Nachweise nötig, etwa zum Zustand der Fahrzeuge, ihrer Wiederinbetriebnahme und den für Mondmissionen erforderlichen Operationen im Orbit. In der Raumfahrt zählt jeder erreichte Meilenstein; er umfasst nicht automatisch alle noch ausstehenden Schritte.
Quellen
- SpaceX va tenter de rattraper Starship avec deux bras géants : une manœuvre aussi spectaculaire que risquée, Futura Sciences.
- SpaceX Starship Super Heavy Project at the Boca Chica Launch Site, Federal Aviation Administration.
- NASA, Partners Accelerate Lander Development for 2028 Moon Missions, NASA.
Archivfoto: Rückkehr von Super Heavy beim fünften Testflug am 13. Oktober 2024.
Bildnachweis: Steve Jurvetson — CC BY 2.0 — Wikimedia Commons.






