Ein Wort, das die iPhone-Tastatur nicht vorschlägt, lässt sich nicht unbedingt auch nicht schreiben. Dieser Unterschied steht im Mittelpunkt einer Untersuchung von Reuters, über die Clubic berichtet: Bestimmte Ausdrücke werden demnach aus den Vorschlägen oder der Gesteneingabe ausgeschlossen, lassen sich aber weiterhin durch Tippen auf die einzelnen Buchstaben eingeben.
Das Thema betrifft mehrere Funktionen, die oft miteinander verwechselt werden. Beim Wischen mit dem Finger, beim Annehmen eines Wortvorschlags und beim Korrigieren eines Tippfehlers kommen unterschiedliche Mechanismen zum Einsatz. Zu verstehen, welcher davon greift, hilft dabei, die Ergebnisse der Untersuchung besser einzuordnen und nicht in einer Einstellung zur Rechtschreibkorrektur nach einer Lösung für jedes Verhalten der Tastatur zu suchen.
Die Geste schlägt ein Wort vor, die Tasten setzen den Text zusammen
Apple nennt die Eingabemethode, bei der man die Buchstaben verbindet, ohne den Finger abzuheben, QuickPath. In der Dokumentation heißt es, dass man diese Methode verwenden oder die Tasten einzeln antippen und in einem Satz sogar zwischen beiden Methoden wechseln kann. Die Funktion ist nicht in allen Sprachen verfügbar.
Bei einer Wischbewegung muss die Software das gewünschte Wort anhand einer Spur erkennen. Sie erhält nicht einfach eine Folge einzelner Tastendrücke. Die von Clubic wiedergegebene Untersuchung beschreibt Fälle, in denen ein erwarteter Ausdruck durch einen ähnlichen, mitunter zusammenhanglosen Vorschlag ersetzt wird. Dass man den Ausdruck weiterhin eintippen kann, ist daher wichtig, um die Tragweite der beobachteten Filterung zu verstehen.
Laut dem Bericht von Clubic untersuchte der unabhängige Forscher Derik Kauffman Dateien der Tastatur und heruntergeladene Wörterbücher und stellte anschließend Listen von Ausdrücken zusammen. Das Medium berichtet außerdem von einer Überprüfung durch den Forscher Matt Suiche. Diese Arbeiten werden ihren Autoren zugeschrieben: Sie sind kein von LETZVIEW durchgeführter Test aller Sprachen oder iOS-Versionen.
Ein Vorschlagsfilter wirft die Frage nach Transparenz auf
Clubic berichtet, dass die meisten der ermittelten Ausdrücke sexuelle Inhalte, Gewalt oder Beleidigungen betreffen, einige aber auch politische Themen. Der Forscher hebt Unterschiede zwischen ähnlichen Formulierungen hervor. Die genaue Wortfolge kann dann das Verhalten der Tastatur ändern, obwohl sich die allgemeine Bedeutung des Satzes kaum verändert hat.
Es geht nicht nur darum, ob ein Vorschlag in einer Liste fehlt. Ein Vorschlag wirkt oft wie eine neutrale Schreibhilfe, beruht aber dennoch auf Regeln und Entscheidungen. Wenn diese nicht offengelegt werden, ist es für Nutzerinnen und Nutzer schwierig, zwischen einem Erkennungsfehler, einer Einschränkung des Wörterbuchs und einem bewussten Ausschluss zu unterscheiden.
Apple erklärte Reuters laut Clubic, die Tastatur sei so konzipiert, dass sie unangemessene oder beleidigende Vorschläge vermeide, und jede Person könne das gewünschte Wort weiterhin eingeben. Diese Antwort erläutert das erklärte Ziel der Funktion. Eine detaillierte Erklärung zu jedem erfassten Ausdruck liefert sie nicht. Dass eine Formulierung in einer Liste steht, reicht auch nicht aus, um den konkreten Grund für ihre Aufnahme festzustellen.
Vorschläge und Korrektur: zwei Einstellungen, die man unterscheiden sollte
In Apples Dokumentation werden die Wörter beschrieben, die oberhalb der Tastatur vorgeschlagen werden, sowie die Vorhersagen, die grau im Text erscheinen. Eine integrierte Vorhersage kann mit der Leertaste angenommen oder durch weiteres Tippen verworfen werden. Ein Vorschlag oberhalb der Tastatur lässt sich direkt auswählen.
In den Tastatureinstellungen lässt sich die Texterkennung aktivieren oder deaktivieren. Apple weist darauf hin, dass beim Deaktivieren der Texterkennung auch die integrierten Vorhersagen ausgeblendet werden. Die Bezeichnungen und verfügbaren Funktionen hängen von der Sprache und der Systemversion ab.
Die Rechtschreibkorrektur kann weiterhin Änderungen vorschlagen, wenn die Texterkennung deaktiviert ist. Vorschläge auszuschalten bedeutet also nicht, dass sämtliche Eingriffe der Tastatur unterbleiben. Die Dokumentation verspricht auch nicht, dass diese Einstellung die Listen neutralisiert, die Forscher bei der Gesteneingabe beschrieben haben.
Was Nutzerinnen und Nutzer konkret überprüfen können
Um ein unerwartetes Ergebnis besser zu verstehen, kann man in demselben Textfeld und derselben Sprache das Tippen auf einzelne Tasten mit QuickPath vergleichen. So lässt sich unterscheiden zwischen dem Text, den man eingeben kann, und dem Wort, das die Geste oder die Vorhersage vorschlägt. Damit kann man weder eine vollständige Liste rekonstruieren noch die Absicht hinter einem einzelnen Fall erklären.
Im Menü „Einstellungen“, „Allgemein“, „Tastatur“ lassen sich die Eingabefunktionen aufrufen. Apple zufolge kann man sie auch über die Taste zum Wechseln der Tastatur öffnen, indem man diese gedrückt hält. Bevor man mehrere Optionen auf einmal ändert, ist es sinnvoll, zunächst die betreffende Funktion zu ermitteln, damit sich die Ergebnisse besser vergleichen lassen.
Die von der Untersuchung aufgeworfene Debatte ist damit klar umrissen: Eine Tastatur kann einen Ausdruck vollständig eingabefähig lassen und ihn zugleich bei bestimmten Eingabemethoden schwerer zugänglich machen. Bei der Frage nach Transparenz geht es um diese Unterstützungsfunktionen, ihre Kriterien und die Möglichkeiten, sie zu verstehen – über die bloße Gegenüberstellung von «erlaubt» und «verboten» hinaus.
Quellen
- Nun ist bekannt, warum die iPhone-Tastatur bestimmte Beleidigungen herausfiltert, wenn man mit dem Finger wischt
- Predictive Text auf dem iPhone verwenden
- Mit der Bildschirmtastatur auf dem iPhone tippen
Ein iPhone 16. Symbolfoto; es zeigt nicht die in der Untersuchung beschriebenen Tastaturtests.
Foto: Kyu3a — Wikimedia Commons — CC BY-SA 4.0.






